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Das Tabu und die Gruppe

Jede Gruppe hat ihre Tabus. Egal ob 3 Personen oder ein ganzer Kulturkreis, es gibt Dinge über die "spricht" man nicht. Occupy Frankfurt ist da keine Ausnahme.

Das interessante an Tabus ist, das sie jeder kennt, sie aber nie ausgesprochen werden. Diese Feststellung führt sofort zu einigen interessanten Fragen: Wie entstehen Tabus? Wer ist mit welchen Methoden an ihrer Enstehung beteiligt? Wie wird der Konsens über die Tabus aufrecht erhalten? Welche Funktion haben sie?

Eines der wichtigeren für Occupy Frankfurt ist: Keine Personaldiskussion! Ausgehend von der politisch absolut notwendigen Annahme, dass jede einzelne Meinung (Stimme) im Entscheidungsprozess das gleiche Gewicht erhält wie alle anderen Meinungen hat die Erweiterung dieses Prinzips bei Occupy groteske Ausformungen angenommen. So gilt es bei Occupy selbstverständlich, dass jegliche Handlungen oder Aktionen gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Egal wie zielführend, sinnvoll oder effizient sie sein mögen.

Auch der Stil, die angewandte Methode oder das Endergebnis treten in den Hintergrund. Hauptsache Aktion! Eine differenzierte Bewertung die über ein Schulterklopfen, oder ein Selbstschulterklopfen hinausgeht, vielleicht sogar kritische bis negative Einschätzungen liefert wird nicht akzeptiert. Und was für eine Aktion recht ist, muss für die durchführende Person nur billig sein: Dauerhaftes Versagen, kontraproduktive Schönrednerei oder unkollegiale Ego-Trips haben für die entsprechende Person keinerlei Konsequenzen. Schliesslich gab es ja Aktion!

Die Auswirkungen dieses Nicht-Sehen-Wollens und Nicht-Thematisierens der tabubelegten Zusammenhänge hat leider fatale Folgen. Dilletanz kann sich ungebremst Raum verschaffen und über lange Zeit bestehen. Ignorante Egoisten vergraulen die wirklich kompetenten Teamplayer. Dieses Tabu der Personaldiskussion ist bestimmt ein starker Faktor, der zum Nicht-Erfolg der Occupy-Bewegung beigetragen hat. Oder muss man tabulos von Scheitern sprechen?

Ein Nebeneffekt dieses Tabus ist, dass Saboteure leichtes Spiel haben. Solange sie nur ihre Hingabe für "die Sache" bekennen sind sie nicht von unfähigen Nichtskönnern zu unterscheiden. Und von denen gab es bei Occupy Frankfurt genug.

Welche jetzt? Darüber zu sprechen verbietet leider das Tabu.

vision2012

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